Inflation und Zinswende: Was sollte ich als Privatanleger*in in diesen Zeiten beachten?
Inflation und Zinswende: Was sollte ich als Privatanleger*in in diesen Zeiten beachten?

Inflation und Zinswende: Was sollte ich als Privatanleger*in in diesen Zeiten beachten?

Das war es nun also mit dem Lotterleben.

Der Kaufpreisverlust ist 2022 enorm – in Deutschland liegt die Inflation bei über 7 Prozent; teilweise ist von 8 Prozent und mehr die Rede:

„Da die Inflation in der Eurozone mit 8,6 Prozent im Juni 2022 ebenfalls einen Höchstwert erreichte, hat die EZB den Leitzins im Juli um 0,5 Prozent erhöht. Auf den ersten Zinsschritt sollen weitere folgen“, weiß die Bundesregierung.

Diese Situation ist jetzt natürlich ziemlich kontraproduktiv, wenn Du – wie ich – mitten im Vermögensaufbau steckst oder zumindest dafür sorgen möchtest, dass Dein Geld nicht täglich ein bisschen weniger wert wird.

Dass das Geld auf dem Sparbuch liegen zu lassen grundsätzlich eine nicht so geile Idee ist, dürfte ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Das kennen wir ja bestens aus den letzten Jahr(zehnt)en und dass wir, um auch nur zwei oder drei Prozent Zinsen zu bekommen, schon mitten in handfesten Risikoinvestments stecken, ist auch nichts Neues.

Soweit so nervenzehrend.

Wie kann man der Inflation entgegenwirken?

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Situation zunehmend verschlechtert und mit dem Ukrainekrieg hat sich die Geldsituation – von den gesellschaftlichen und menschlichen Desastern werde ich hier gar nicht erst anfangen – noch zusätzlich zugespitzt.

Immer öfter ist nun also von der exorbitanten Inflation die Rede. Wohnen, Benzin und Diesel, Gas und zunehmend auch Lebensmittel werden einfach teurer und teurer.

Jetzt hast Du mehrere Möglichkeiten, um der Inflation entgegenzuwirken. Schauen wir uns doch ein paar davon gemeinsam an:

Option 1: Du kannst Deine Ausgaben hinterfragen.

Je weniger Du konsumierst bzw. kaufen musst, umso weniger bist Du natürlich auch von der Inflation betroffen. Bringt Dir jetzt nichts in Bezug auf die Zinswende, aber wenn Du:

  • Möbel, Kleidung und Elektronik vornehmlich Second Hand kaufst
  • Foodsharing-Angebote nutzt
  • auf saisonales Gemüse setzt sowie Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Reis verstärkt in den Speiseplan aufnimmst
  • Strom sparst und Dir über möglichst effiziente Wärmenutzung Gedanken machst

kannst Du schon eine ganze Menge reißen. Vom ökologischen Fußabdruck ganz zu schweigen.

Option 2: Du kannst Investments nutzen, die Dir mehr als 7 Prozent Rendite bringen.

Da liegen wir, vor allem nach Steuern!, jedoch bereits im Hochrisikosektor. Nur wenige Aktien und manche REITs schütten mehr als 7 Prozent Dividenden aus – da muss schon auch eine ordentliche Kurssteigerung dazukommen, um auf so eine hohe Gesamtrendite zu kommen.


In meinem Aktienportfolio habe ich gleich mehrere Positionen, die dieses Kriterium erfüllen oder zumindest – laut Divvydiary* – nicht allzu weit von dieser Dividendenhöhe entfernt sind:

Auch Bondora Go & Grow* bringt bereits rund 6,75 Prozent Zinsen jährlich. Aber auch die wollen schließlich noch versteuert werden und Investments bei Bondora haben natürlich nach wie vor ein ordentliches Risiko im Gepäck. Andere P2P-Optionen bringen hingegen zweistellige Renditen. Auch nach Steuer ist so die Inflation mindestens ausgeglichen, wenn nicht sogar der Vermögensaufbau zwar verlangsamt, aber stetig weitergehen kann.

Option 3: Du kannst Dein Einkommen erhöhen.

Klar kannst Du einen zusätzlichen Job annehmen. Aber besser ist es, wenn Du schlicht mehr Geld für die gleiche Arbeit erhältst. Hier sind wir wieder beim Humankapital:

  • bilde Dich weiter
  • lerne neue Fähigkeiten
  • löse Probleme

Erhöhe so ganz konkret Dein Humankapital und sorge dafür, dass Deine Leistung pro Stunde mehr wert wird. Hole Gegenangebote von konkurrierenden Unternehmen ein und identifiziere, wie hoch Dein persönlicher Marktwert in realen Zahlen ist.

Der Fachkräftemangel spielt vor allem den Generationen nach den Babyboomern stark in die Hände: In den nächsten Jahren wird der War for Talent weiter zunehmen und Arbeitnehmer in eine noch bessere Verhandlungsposition bringen. Nutze die Gunst der Stunde! Wer weiß, wie lange sie andauert.

Es muss auch kein „entweder – oder“ sein: Wenn Du verschiedene dieser Optionen miteinander kombinierst, kannst Du die Inflation vielleicht sogar weitgehend neutralisieren, beispielsweise indem Du:

  • Deine Ausgaben um 2 Prozent senkst,
  • Dein Gehalt um 3 Prozent erhöhst
  • und 2 Prozentpunkte mehr Rendite erwirtschaftest.

Die Welt steht vielleicht gerade Kopf. Aber zumindest 2022 muss Dein Vermögen nicht weniger wert werden. Nächstes Jahr sprechen wir uns dann wieder und sehen, ob wir nochmal einen neuen Plan brauchen 😉

Was ist mit der Zinswende?

Ganz ehrlich: Hast Du eine Glaskugel? Ich nicht.

In den letzten Jahren geisterten unzählige handfeste Prognosen durch die Nachrichten. Von „die Zinsen können nie wieder steigen – nie wieder!!“ über „Geld wird sowieso grundsätzlich abgeschafft“ bis zu „morgen bricht unser ganzes System zusammen“ gab es eine ganze Menge wilde Voraussagen.

Was uns die Zinswende nun bringt?

Vielleicht werden Eigenheimbesitzer fluchen, weil die Anschlusskredite nach Ablauf von 10 Jahren Zinsbindung exorbitant viel teurer werden.

Vielleicht werden morgen Kapitalanleger jubeln, weil die Immobilienpreise sinken. Gleichzeitig werden die Immobilienkredite teurer.

Vielleicht haben auch die sinkenden Zinsen bei den P2P-Krediten ein Ende und pendelt sich auf einem noch höheren Level ein – ich habe mal von P2P-Zinsen jenseits der 15-Prozent-Marke gelesen …

Vielleicht wird es künftig grundsätzlich wieder leichter, Vermögen aufzubauen, weil es – wie vor 40 Jahren – wieder fette Zinsen auf Tagesgeldkonten gibt und Staatsanleihen wieder attraktiver werden.

Vielleicht ist aber auch morgen der Krieg in der Ukraine vorbei, das ultimative Anti-Corona-Medikament kommt auf den Markt und wir finden eine Lösung für die Klimakrise. Das wäre übrigens mein persönlicher Favorit.

Aber wer weiß das schon?

Und die Moral von der Geschicht‘?

Keine Ahnung! Es wäre leichter vorherzusagen, wenn nicht alle 5 Minuten ein schwarzer Schwan à la „Zombieapokalypse“ daherkäme.

Ich kann Dir nicht sagen, was Du tun sollst. Aber ich kann Dir sagen, was ich tue: Ich beobachte den Markt, halte meine Verbindlichkeiten gering und investiere konsequent weiter.

Und bei all dem Wahnsinn versuche ich, ein gutes Leben weiterzuleben. So häufig wie möglich Freunde zu treffen, die Familie zu besuchen, in der Natur zu sein. Und dankbar dafür zu sein, es so gut zu haben.

Und Du?


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